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"Das Eichendorff-Gymnasium möchte aus dem
aktuellen Anlass der deutschen Ratspräsidentschaft ein Forum
bieten und mit handelnden Politikern und Europaexperten über die
Europäische Union (EU) ins Gespräch kommen", erklärte
Gemeinschaftskundelehrer Volker Schober in seinen einführenden
Worten. Die deutschlandweite Initiative eines Schulprojekttags
rund um die EU war von Bundeskanzlerin Angela Merkel angestoßen
worden. Vier Referenten, MdL Werner Raab, Siegfried Pötschke,
Gudrun Wiesmann und Hartmut Lorek standen den Schülern der
Klassenstufe elf bis 13 in der Aula des Eichendorff-Gymnasiums
Rede und Antwort. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von den
Schülern Anne Speck und Tilman Hartwig, die diese Aufgabe souverän
meisterten.
Einig waren sich die vier Redner - allesamt
Mitglieder der überparteiischen Europa-Union - darin, dass für die
Zukunft der EU eine europäische Verfassung unerlässlich sei. "Bei
27 Mitgliedstaaten wird die Beschlussfassung sonst zu schwerfällig
und kompliziert ", erläuterte Wiesmann. Das für viele Bereiche
geltende Einstimmigkeitsprinzip im Rat müsse vom
Mehrheitswahlprinzip abgelöst werden. Das Europäische Parlament
bekomme durch die neue Verfassung ein deutlich größeres Gewicht,
auch dies sei ein notwendiger Schritt, um das aktuelle, viel
diskutierte Demokratiedefizit in der EU zu beheben. "Lieber eine
europäische Verfassung mit Kompromissen, als gar keine", fasste
sie ihre Ansicht zusammen.
"Die deutsche Ratspräsidentschaft kann viel
bewegen und neue Initiativen auf den Weg bringen", fand auch der
Ettlinger Landtagsabgeordnete Raab. Deutschland plane nicht nur,
die Verfassung voranzutreiben, sondern beispielsweise auch neue
Impulse in der europäischen Energiepolitik zu setzen. Klimaschutz
ende nicht mit Kioto, sondern fange nun erst richtig an. Dabei
dürfe man auch die Atomkraft nicht außer Acht lassen, da sie keine
CO2-Emissionen erzeuge und somit zumindest nicht zum Klimawandel
beitrage wie fossile Brennstoffe. Der Ausbau regenerativer
Energien sei ein Schwerpunkt nicht nur in Baden-Württemberg.
Die Frage, in welcher Beziehung Europa und
die Landespolitik zueinander stehen, beantwortete Raab anhand
anschaulicher Beispiele. Das Gewerbe vor Ort sei immer öfter
unmittelbar von europäischen Bestimmungen betroffen. Ihre
Bedenken, Anregungen und Lösungsvorschläge einzubringen, sei eine
der Aufgaben der baden-württembergischen Vertretung in Brüssel.
Umgekehrt informiere die Landesvertretung die heimischen Behörden
und Interessenverbände frühzeitig über neue Gesetzesinitiativen
der Kommission, so dass Landesinteressen in die späteren
Verhandlungen einfließen können.
"In der Gemeinschaft sind wir stärker, allein
wäre Deutschland zu schwach", plädierte Pötschke in
Übereinstimmung mit dem ehemaligen Bundeswehrangehörigen Lorek,
für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU. Die
Frage nach einer Mitgliedschaft der Türkei beantwortete Lorek aus
militärischer Sicht positiv. "Je mehr Bündnispartner, desto
besser." Die EU habe allerdings strenge Voraussetzungen an eine
Mitgliedschaft geknüpft, sodass die Türkei wohl noch lange Jahre
kein Mitglied werden könne. Um die ''Festung Europa" zu
relativieren, müsse sich die EU Gedanken über legale
Einwanderungsmöglichkeiten machen, den Barcelona Prozess
vorantreiben und versuchen, bessere Bedingungen in den
Heimatländern der Immigranten zu schaffen.
Im Zeichen der Förderung der Toleranz
forderte Pötschke alle Schüler auf, an Austauschprogrammen mit
Nachbarländern teilzunehmen, deren Sprache und Kultur zu erkunden
und Vergleiche anzustellen. Auf diese Weise profitiere man in
mehrfacher Hinsicht von der Freundschaft zwischen den Völkern
Europas. Wer Fremdsprachen spreche, könne auch im Ausland
arbeiten, oder einfach neue Ideen mit nach Hause nehmen.
"Das Thema EU sollte eigentlich in jeder
Altersstufe behandelt werden, denn es ist ungemein wichtig",
antwortete Raab auf die Frage eines Schülers, weshalb "die EU" im
Unterricht kaum behandelt würde. "Es wäre ein hervorragendes
Ergebnis des heutigen Tages, wenn das Eichendorff-Gymnasium einen
europäischen Schwerpunkte bekommt", so der Landespolitiker. Es
sollte Aufgabe aller Gemeinden und auch von im Bildungsbereich
tätigen Personen sein, die EU transparenter zu machen.
Informationen nützen nichts, wenn sie beim Bürger nicht ankämen,
fügte Pötschke hinzu.
Weitere Diskussionsrunden ließen sich allemal
organisieren, waren sich die Referenten einig. |