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Karlsruhe
(pw) Die Messe Karlsruhe hat sich bereits bei vielfältigen
Gelegenheiten als Top-Adresse für diverse Kultur-Veranstaltungen
etabliert.
Das „Tour de France“-Wochenende wurde nunmehr konsequent genutzt, die
Begeisterung des einen Ausflug nach Deutschland unternehmenden
Radsport-Großereignisses auch ins Karlsruher Rahmenprogramm
hineinzutragen. Nach mehreren Freiluft-Events am ZKM und im Zielbereich
der „Tour de France“ beim Messegelände standen an den Wochenendtagen noch
zwei Experimente größeren Kalibers an. Für die Konzerte von Mariah Carey
und Seal wurde extra ein großzügiges Open Air Gelände direkt hinter der
DM-Arena geschaffen.
Man merkte dem Areal an, für welche Dimensionen angesichts der erwarteten
Superstars der Musikbranche geplant wurde: Platz für mehrere 10.000 Gäste
und auch für ausreichend Parkplätze wurde in unmittelbarer Nähe gesorgt.
Die Messe Karlsruhe braucht sich also in keinerlei Hinsicht hinter der
Konkurrenz auf dem Konzert-Veranstaltungsmarkt zu verstecken. In punkto
Logistik, Infrastruktur, Technik und Sicherheit war der starke
organisatorische Hintergrund der Messe Karlsruhe überall zu spüren. So
wurde beispielsweise auch den gastronomischen Bedürfnissen mit einer
riesigen und vielfältigen Auswahl begegnet und besondere Gruppen wie VIPs,
Behinderte oder auch Familien mit Kindern genossen eine vorbildlich
generöse und bevorzugte Behandlung. Die Messe Karlsruhe zeigt sich also
auch stark in der Organisation solcher Freiluft-Konzerte und empfiehlt
sich damit für alle denkbaren Kulturveranstaltungen als eine der
Top-Adressen in der Region.
Der De-Facto-Rauswurf der Management-Leitung ist daher wohl nur mit dem
fehlenden Weitblick hinsichtlich der mit solchen Veranstaltungen
verbundenen notwendigen Akquise einer ausreichenden Zuschauerzahl zu
erklären. Nachdem das Publikum Karlsruhes bekanntermaßen nicht gerade
leicht von außergewöhnlichen Kultur-Events zu überzeugen ist, da trotz
mittlerweile starken Stadtmarketings immer noch der – nicht von ganz
ungefähr kommende – Ruf als notorisch nörgelnder Beamtenstadt nachklingt,
wäre möglicherweise ein großräumiger angelegtes Marketing sinnvoll
gewesen. In ganz Karlsruhe war plakatiert, darüber hinaus jedoch
Fehlanzeige. Will man Massen sehen, muss man die Massen auch ansprechen.
Auch die Einwohner der Landeshauptstadt Stuttgart und des
Rhein-Neckar-Dreiecks um Mannheim und Heidelberg sollte die Messe
Karlsruhe zukünftig aufhorchen lassen und selbstbewusst für die tollen
Programm-Ideen zu begeistern suchen.
Nicht einmal der eigentliche Star des ersten Abends konnte die etwas
trostlose Stimmung unter den auf dem riesigen Freigelände fast schon etwas
verloren wirkenden nur etwa 5.000 Zuschauern aufheizen. Im Gegensatz zu
Seal am darauffolgenden Sonntag standen dem Superstar Mariah Carey neben
Ihrer extrem deplaziert anmutenden Attitüde auch die missmutig Kaugummi
kauenden Band-Mitglieder auf der Bühne bei dem Versuch im Weg, eine
mitreißende Show zu entfachen.
Zwar spulte die amerikanische Diva in professioneller Manier ihr Programm
ab. Und zugegebenermaßen ist ihre Stimme einmalig und sorgte bei dem ein
oder anderen Lied berechtigt für wahre Jubelstürme unter den treuen Fans.
Auch die Auswahl der präsentierten Songs verdient Beifall, nachdem Mariah
Carey sich nicht darauf beschränkte, nur die Lieder ihres neuen Albums zu
promoten. Vielmehr wurden gerade einmal drei Titel dieser LP herausgepickt
und mit vielen Ohrwürmern aus ihrem reichhaltigen Hit-Sammelsurium
garniert – ein leichtes für die verwöhnte Superstimme, die auf grandiose
16 Nummer-Eins-Hits zurückgreifen kann.
Leider war bereits nach einer einzigen Zugabe und nur knapp 90 Minuten
Schluss. Mariah Carey gelang es angesichts des in der niedrigen
Zuschauerzahl zum Ausdruck kommenden enttäuschenden Zuspruchs
offensichtlich nicht länger, die Fassade des typisch amerikanischen
Show-Business aufrecht zu erhalten. Möglicherweise muss man ihr dafür
sogar noch danken und hoffen, dass sie ihren Frust nicht noch mehr an
ihrer ständig anwesenden persönlichen Assistentin ausgelassen hat, die
bereits während der Show schon sehr unter den Allüren der
Multi-Oktaven-Diva zu leiden hatte. Insgesamt war das Open Air leider
etwas enttäuschend. Eingefleischte Fans kamen beim einzigen
Deutschland-Konzert von Mariah Carey jedoch voll auf ihre Kosten und auch
alle anderen konnten sich zumindest einmal live von ihrem äußerst
beeindruckenden Gesangsvermögen und davon überzeugen, dass zumindest bzgl.
der vielzitierten Starallüren des Superstars die Medien keinesfalls
übertrieben haben.
Die Veranstaltung hat jedenfalls gezeigt, dass die Messe Karlsruhe zur
perfekten Organisationen eines Kaleidoskops an Veranstaltungen in der Lage
ist und sich wahrlich nicht allein auf klassische Messe-Ereignisse
beschränkt.
Es bleibt daher zu hoffen, dass der finanzielle Eklat, der mit dem
Tour-Wochenende verbunden ist, die Messe Karlsruhe nicht verzagen lässt,
sondern die Erfahrungen genutzt werden, mögliche Fehler in Zukunft zu
vermeiden, aber dennoch weiter mit aufregenden Veranstaltungen
experimentiert wird. Der Messestandort Karlsruhe bietet ein
außergewöhnliches Potenzial, das weiterer Entwicklung bedarf, diese aber
auch mehr als verdient. Man darf auf das zukünftige Programm gespannt
sein!
Weitere Informationen zur Messe Karlsruhe unter
http://www.kka.de/
http://www.messe-karlsruhe.de/
http://www.dm-arena.de/
und zu Mariah Carey unter
http://www.mariahcarey.com
(20.07.2005)
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